Galerie-Atelier-Blechschmidt / Aktuell


Autor engagiert Kinder für Illustrationen

Erschienen am 28.09.2018

Im Atelier Blechschmidt Falkenstein: Regina Blechschmidt, Shani und Buchautor Christian Martin präsentieren "Frau Holle" im Theaterformat.

Foto: Joachim Thoß / von Sylvia Dienel

Elf Stammgäste des zu Ende gegangenen Kreativkurses im Falkensteiner Atelier Blechschmidt haben ein Theater-Märchenbuch bebildert.

Falkenstein. Jetzt ist es so weit: Zwei Monate haben Kinder und Jugendliche im Falkensteiner Atelier Blechschmidt Figuren und Szenerien gezeichnet, Drucke als Grundlage angefertigt und beides so zu Collagen arrangiert, dass die Werke Aussagekraft besitzen. 21 Bilder sind auf diese Weise entstanden. Sie unterstreichen, was der Ellefelder Autor, Dramatiker und Bühnendichter Christian Martin mit Worten zu Papier brachte: "Frau Holle" in Buchform, aufbereitet für Theateraufführungen vom Opernhaus bis zur Schul-Aula.

Mit der Freude über die Veröffentlichung des 81-seitigen Gemeinschaftswerkes diese Woche kam auch Wehmut auf. Denn mit dem Illustrationsprojekt endet das Kinderatelier bei Regina und Wolfgang Blechschmidt. Aus gesundheitlichen Gründen müssen sie sich von diesem bewährten Programmpunkt trennen. Vor acht Jahren gestartet, lernten Kinder und Jugendliche unter Anleitung von Diplom-Designerin Regina Blechschmidt unterschiedlichste Gestaltungstechniken und Materialien kennen. Außerdem, wie und wann sich beides optimal einsetzen lässt. "An erster Stelle stand die Entwicklung der Sinne, zusammen mit sozialer Kompetenz", sagte Wolfgang Blechschmidt. "Das Schöne an so einer Gruppe ist, dass sie auch voneinander lernen." Ohne Bewertung, ohne Druck, dafür mit viel Freiraum.

Bei dem Gedanken, Neun- bis 17-Jährigen die Illustration seines Buches zu überlassen, kamen zwei Faktoren zum Tragen. Zum einen besteht eine Verbindung zwischen Christian Martin und dem Atelier. "Mein Sohn war früher mal hier im Kinderzirkel", sagte er. Das war Anfang der 90er. "Und die Blechschmidts haben den Text begeistert aufgenommen." Seine Version des Grimm-Märchens fanden auch die Kinder gut. Einmal pro Woche setzten sie sich zusammen. Menschen und Figuren seien am schwierigsten zu zeichnen gewesen, stimmten die meisten überein.

Vorerst sind 500 Exemplare im Handel. "In Erwartung höherer Verkaufszahlen", sagte Christian Martin. Die könnten demnächst tatsächlich steigen. Denn Mitte Oktober wird die praktische, an Kinder und Erwachsene adressierte Lektüre zur Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Christian Martin ist seit Anfang der 1980er-Jahre schriftstellerisch unterwegs. Seine Stücke sind auf Bühnen in ganz Deutschland zu Hause. Oft schreibt er Märchen - auf ganz persönliche witzige, ironische, pointierte Weise. In anderen Werken übt er genauso oft wie leidenschaftlich Sozialkritik.


"Das(s) was bleibt" Regina und Wolfgang Blechschmidt -            vom 20. April - 12. Oktober 2018

„Man muss auch mal den Finger in die Wunde legen"

Eine neue Kunstausstellung ist seit 20. Mai in der Falkensteiner Galerie im Schloss (Sparkassengebäude) zu sehen. Regina und Wolfgang Blechschmidt vom gleichnamigen ortsansässigen Atelier zeigen „Das(s) was bleibt" in Malereien, Skizzen und Grafiken. Über 30 Werke und somit lediglich kleine Einblicke in ihr jahrzehntelanges Schaffen werden dort bis Mitte Oktober verbleiben.

„Das(s) was bleibt" wirft Fragen auf. Zur Ausstellungseröffnung animierte jenes Motto, Antworten zu finden. „Ich glaube, das ist ein ganz brandaktuelles Thema", sagte Rainer Döhling. Er rief mit Wolfgang Blechschmidt 2013 die Falkensteiner Kunstinitiative Falkart ins Leben. Inzwischen ist sie ein Verein. „Das(s) was bleibt sei auch dessen Philosophie, so Döhling. „Etwas zu tun, das bleibt." Bürgermeister Marco Siegemund betonte in seiner Rede, sicher zu sein, dass etwas bleibt. „Ihr seid Aktivposten", sagte er an das Künstlerehepaar gerichtet. „Und man sieht, Kunst bringt Menschen zusammen." Viele Gäste ließen sich die Vernissage und ihre musikalisch-lyrische Untermalung durch Sebastian Müller und Joachim Allert nicht entgehen und kamen mit den Ausstellern anschließend ins Gespräch. „Wir sind dabei, das gesamte künstlerische Erbe von Stadt und Verein aufzuarbeiten", schilderte Wolfgang Blechschmidt, wie er den Schau-Titel interpretiert. „Falkart beschäftigt sich mit lebenden und verstorbenen Falkensteiner Künstlern und deren Arbeiten. Als Künstler macht man sich einfach Gedanken, was mit der Kunst geschieht." Auch mit der eigenen - später. „Es gibt Leute, die sich damit beschäftigen, es weitertragen, das Erbe erhalten", sagte er. Den Grundstein hat Falkart gelegt. Regina Blechschmidt spannte den Bogen noch etwas weiter: „Das ist ein Thema für Menschen generell, nicht nur für uns", sagte sie. „Man muss sich immer mal wieder die Frage stellen, warum wir hier sind." Bei vielen zur Personalausstellung aneinandergereihten Gemälden und Skizzen handelt es sich um aktuelle Arbeiten. Öl, Acryl, Grafit, Papier, Holz, Acryl-glas und Leinwand geben den Ton an. Ton kommt auch als Werkstoff zum Einsatz. Etwa bei Collagen mit und ohne Glasaugen als Blickfänge. Andernorts dominieren Grautöne, Schwarz und Weiß. Vor allem diejenigen aus Wolfgangs Blechschmidts „Feder" kommen, wenn überhaupt, mit wenigen Farbtupfern oder -spielen aus. Allerdings stehen solche Akzente dann in scharfem Kontrast zum Rest des Werkes. Die „Pfingstrose" ist so ein Beispiel. „Was täglich an Laut- und Wortflut auf uns einprasselt, minimalisiert er absichtlich", sagt Regina Blechschmidt über diese Werke ihres Mannes. „Das ist ein Besinnen auf das Wesentliche und ein Abstrahieren von Dingen. Er muss sich dabei sehr disziplinieren", weiß sie „Es ist auch immer eine Auseinandersetzung." Einer „Spiegelung" und „Licht & Schatten" begegnet der Betrachter genauso wie einer Rügen-Landschaft und Äpfeln. Oder auf Leinwand verewigter Zeit. Und drei abgebrannten Streichhölzern, in denen Wolfgang Blechschmidt sich dem Thema Tod stellt. „Wenn eine Idee geboren wird, ist das wie ein Magnet", beschrieb seine Frau die Entstehung künstlerischer Arbeiten. „Es zieht dich immer wieder hin." Zu ihren bevorzugten Themen gehören Raum und der menschliche Spielraum. „Man muss ausbrechen in der Kunst", erklärte sie. „Man muss Freiräume suchen und auch mal den Finger in die Wunde legen." (Sylvia Dienelt)


Atelier restauriert Kita-Gemälde








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