Galerie-Atelier-Blechschmidt / Aktuell


erschienen im "Tag des Herrn" (Beilage 11-2018)

Das(s) was bleibt...

Das Künstlerehepaar Regina und Wolfgang Blechschmidt

Matthias Holluba

Christliche Motive spielen in der Kunst von Regina und Wolfgang Blechschmidt eine große Rolle. Sie wollen etwas von dem weitergeben, was ihnen wichtig ist, und damit beim Betrachter ihrer Kunst etwas anstoßen. Vom Missionieren mit dem Zeigefinger halten sie nichts. Wer aber möchte, kann ihre Friedenslicht-Kapelle besuchen.

Mitten auf der Straße der vom Krieg zerstörten syrischen Stadt Aleppo sitzt Maria. Auf ihrem Schoß der tote Jesus. In der grauen Tristesse der zertrümmerten Stadt strahlen die beiden goldenen Heiligenscheine von Maria und Jesus. Eine Pietä für heute. Daneben ein Bild von einer jungen, modernen Frau mit Handy in der Hand - auch ihr Kopf um­strahlt von einem goldenen Heiligenschein. Zwei Bilder, die dem Be­sucher im Atelier von Wolfgang Blechschmidt ins Auge fallen. Dane­ben auf dem Tisch Kunstwerke seiner Frau Regina, die gerade für eine Gruppe von Erstkommunionkindern Erinnerungskreuze gestaltet. An der Wand eines ihrer Bilder, abstrakter als die Bilder ihres Mannes: ein langer röhrenartiger Tunnel voller Gestrüpp, vielleicht Dornen. Am Ende ein helles Licht. „Brannte uns nicht das Herz..." - dieser Satz der Emmausjünger nach ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen, den sie nicht erkannten, ist der Titel des Bildes.

Christliche Motive spielen in der Kunst von Regina und Wolfgang Blechschmidt eine wichtige Rolle. Der christliche Glaube ist beiden wichtig und als Künstler können sie nicht anders als etwas von dem, was in ihrem Inneren ist, in ihren Kunstwerken wiederzugeben. Das hat ihnen nicht nur Anerkennung eingebracht, denn beide haben nach dieser Devise auch schon zu DDR-Zeiten gearbeitet. Eines ihrer wich­tigen Themen damals war der Konziliare Prozess für Frieden, Gerech­tigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Bei Ausstellungen in Kirchen­räumen kam es oft zu intensiven Diskussionen mit den Gemeindemit­gliedern - in Aue etwa über die Umweltzerstörung durch den Uranab­bau oder vor einer Madonnendarstellung mit einer jungen Frau, die von ihrer Mutter zur Abtreibung gedrängt worden war.

Berufsverbot und Ausreise

Den DDR-Oberen hat diese Kunst natürlich nicht gefallen. 1986 erhielt Wolfgang Blechschmidt Berufsverbot. Weitergemalt hat er trotzdem. „Seit meiner Kindheit habe ich mich mit Malerei beschäftigt, irgendwann gehts dann nicht mehr ohne." Als die beiden Töchter auch noch Probleme in der Schule bekamen, stellte die Familie den Ausreiseantrag. Fast drei Jah­re musstne Blechschmidts warten, ehe sie im Mai 1989 innerhalb von vier Stunden die DDR verlassen mussten. Ein halbes Jahr spä­ter fiel die Mauer...

Die Familie blieb zunächst in Baden-Württemberg. Doch Wolfgang Blechschmidt zog es schon bald zurück ins heimische Vogt­land. 1991 eröffnete er in Falkenstein das Atelier. Er ist dann lange gependelt, bis er 1998 mit seiner Frau wieder zurückgezogen ist. Neben der Tätigkeit im eigenen Atelier mit zahlreichen Ausstellungen und Auftragsar­beiten sind beide auch in der künstlerischen Bildung junger Menschen tätig.

Manchmal musst du einfach malen

Immer wieder arbeiten sie an kirchlichen Aufträgen. Werke von Wolfgang Blechsch­midt finden sich zum Beispiel in katholischen Kirchen in Falkenstein, Dresden und Achern. Auch ansonsten sind beide in ihrer Pfarrei „fest verankert". Wolfgang Blechschmidt ar­beitet im Pfarrgemeinderat und anderen Gremien mit.

Nicht jedes Werk, das entsteht, ist ein Auf­tragswerk. „Manchmal ist man innerlich so intensiv mit etwas beschäftigt, dass man es einfach runtermalen muss. Da spielt es keine Rolle, wie es bei den anderen ankommt." Doch die Kunst der Blechschmidts kommt an. In diesem Jahr - beide haben ihren 65. Geburtstag gefeiert - hatten sie zusammen eine Aus­stellung in Falkenstein. Mit über 30 Werken haben sie einen Einblick in ihr Schaffen gege­ben. „Das(s) was bleibt" war der doppeldeutige Titel der Präsentation.

Auch wenn die Blechschmidts religiöse Symbolsprache in vielen ihrer Werke benut­zen, sprechen sie oftmals allgemein mensch­liche Erfahrungen an, etwa in dem an eine Ikone erinnernden Bild der jungen Frau mit Handy und Heiligenschein, das eine ihrer Enkeltöchter darstellt. Die Botschaft: Wie auch immer die jungen Menschen von heute sein mögen - jeder Mensch ist wertvoll oder christlich ausgedrückt: ein Heiliger.

„In jeder Arbeit ist ein Stückchen von uns drin", sagen die beiden Künstler. Auch wenn bei manchen Bildern das Leid im Vorder­grund steht, beide wollen mit ihrer Kunst Po­sitives vermitteln und Mut machen. „Wir wollen Hoffnung und Freude machen", sagt Wolfgang Blechschmidt. „Manchmal muss man aber auch den Finger in die Wunde le­gen", meint seine Frau. Einzelne Werke wer­den besonders persönlich wie das Bild der todkranken Mutter im Krankenhaus. „Mutter konnte damals schon nicht mehr sprechen. Sie war eine tieffromme Frau, und trotzdem scheint ihr Blick zu fragen: Was wird jetzt aus mir?" Eine Frage, die sich auch der Betrachter stellen kann. Stellen soll. Mit dem Zeigefinger missionieren wollen die Blechschmidts nicht, aber sie wollen den Betrachter anregen, über seine Antwort auf diese Fragen nachzuden­ken. „Lebe nicht einfach so in den Tag hinein. Denke darüber nach, wofür du da bist und was von dir einmal bleiben soll."

Die Friedenslichtkapelle im Atelier

Dann zeigt Wolfgang Blechschmidt ein Bild mit einer besonderen Geschichte: Es zeigt - in den für ihn typischen Grautönen aber mit einer kleinen goldenen Ecke - ein Kreuz mit einem zerbrochenen Corpus. „Das Kreuz ist bei den Vorbereitungen einer Pro­zession in der Pfarrei kaputt gegangen. Die Gemeinde wollte, dass ich es repariere. Aber das war nicht möglich." Das kaputte Kreuz blieb im Atelier und ein paar Jahre später malte Wolfgang Blechschmidt das Bild. Wäh­rend des Malens kam ihm dabei eine Idee: Der kaputte Corpus war der Ausgangspunkt für eine kleine Kapelle, die sich nun gleich neben dem Atelier befindet. Im Dezember 2016 wur­de die Hauskapelle vom Pfarrer eingeweiht. Die Kerzen wurden dabei am Friedenslicht aus Betlehem entzündet. Dieses Friedenslicht leuchtet seitdem ununterbrochen in der Ka­pelle und die Menschen sind eingeladen mit ihren Sorgen und mit ihren Freuden hierher zu kommen - zu dem zerbrochenen Christus, der nun in Rot und Gold an der Kapellenwand leuchtet.


Autor engagiert Kinder für Illustrationen

Erschienen am 28.09.2018

Im Atelier Blechschmidt Falkenstein: Regina Blechschmidt, Shani und Buchautor Christian Martin präsentieren "Frau Holle" im Theaterformat.

Foto: Joachim Thoß / von Sylvia Dienel

Elf Stammgäste des zu Ende gegangenen Kreativkurses im Falkensteiner Atelier Blechschmidt haben ein Theater-Märchenbuch bebildert.

Falkenstein. Jetzt ist es so weit: Zwei Monate haben Kinder und Jugendliche im Falkensteiner Atelier Blechschmidt Figuren und Szenerien gezeichnet, Drucke als Grundlage angefertigt und beides so zu Collagen arrangiert, dass die Werke Aussagekraft besitzen. 21 Bilder sind auf diese Weise entstanden. Sie unterstreichen, was der Ellefelder Autor, Dramatiker und Bühnendichter Christian Martin mit Worten zu Papier brachte: "Frau Holle" in Buchform, aufbereitet für Theateraufführungen vom Opernhaus bis zur Schul-Aula.

Mit der Freude über die Veröffentlichung des 81-seitigen Gemeinschaftswerkes diese Woche kam auch Wehmut auf. Denn mit dem Illustrationsprojekt endet das Kinderatelier bei Regina und Wolfgang Blechschmidt. Aus gesundheitlichen Gründen müssen sie sich von diesem bewährten Programmpunkt trennen. Vor acht Jahren gestartet, lernten Kinder und Jugendliche unter Anleitung von Diplom-Designerin Regina Blechschmidt unterschiedlichste Gestaltungstechniken und Materialien kennen. Außerdem, wie und wann sich beides optimal einsetzen lässt. "An erster Stelle stand die Entwicklung der Sinne, zusammen mit sozialer Kompetenz", sagte Wolfgang Blechschmidt. "Das Schöne an so einer Gruppe ist, dass sie auch voneinander lernen." Ohne Bewertung, ohne Druck, dafür mit viel Freiraum.

Bei dem Gedanken, Neun- bis 17-Jährigen die Illustration seines Buches zu überlassen, kamen zwei Faktoren zum Tragen. Zum einen besteht eine Verbindung zwischen Christian Martin und dem Atelier. "Mein Sohn war früher mal hier im Kinderzirkel", sagte er. Das war Anfang der 90er. "Und die Blechschmidts haben den Text begeistert aufgenommen." Seine Version des Grimm-Märchens fanden auch die Kinder gut. Einmal pro Woche setzten sie sich zusammen. Menschen und Figuren seien am schwierigsten zu zeichnen gewesen, stimmten die meisten überein.

Vorerst sind 500 Exemplare im Handel. "In Erwartung höherer Verkaufszahlen", sagte Christian Martin. Die könnten demnächst tatsächlich steigen. Denn Mitte Oktober wird die praktische, an Kinder und Erwachsene adressierte Lektüre zur Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Christian Martin ist seit Anfang der 1980er-Jahre schriftstellerisch unterwegs. Seine Stücke sind auf Bühnen in ganz Deutschland zu Hause. Oft schreibt er Märchen - auf ganz persönliche witzige, ironische, pointierte Weise. In anderen Werken übt er genauso oft wie leidenschaftlich Sozialkritik.


"Das(s) was bleibt" Regina und Wolfgang Blechschmidt -            vom 20. April - 12. Oktober 2018

„Man muss auch mal den Finger in die Wunde legen"

Eine neue Kunstausstellung ist seit 20. Mai in der Falkensteiner Galerie im Schloss (Sparkassengebäude) zu sehen. Regina und Wolfgang Blechschmidt vom gleichnamigen ortsansässigen Atelier zeigen „Das(s) was bleibt" in Malereien, Skizzen und Grafiken. Über 30 Werke und somit lediglich kleine Einblicke in ihr jahrzehntelanges Schaffen werden dort bis Mitte Oktober verbleiben.

„Das(s) was bleibt" wirft Fragen auf. Zur Ausstellungseröffnung animierte jenes Motto, Antworten zu finden. „Ich glaube, das ist ein ganz brandaktuelles Thema", sagte Rainer Döhling. Er rief mit Wolfgang Blechschmidt 2013 die Falkensteiner Kunstinitiative Falkart ins Leben. Inzwischen ist sie ein Verein. „Das(s) was bleibt sei auch dessen Philosophie, so Döhling. „Etwas zu tun, das bleibt." Bürgermeister Marco Siegemund betonte in seiner Rede, sicher zu sein, dass etwas bleibt. „Ihr seid Aktivposten", sagte er an das Künstlerehepaar gerichtet. „Und man sieht, Kunst bringt Menschen zusammen." Viele Gäste ließen sich die Vernissage und ihre musikalisch-lyrische Untermalung durch Sebastian Müller und Joachim Allert nicht entgehen und kamen mit den Ausstellern anschließend ins Gespräch. „Wir sind dabei, das gesamte künstlerische Erbe von Stadt und Verein aufzuarbeiten", schilderte Wolfgang Blechschmidt, wie er den Schau-Titel interpretiert. „Falkart beschäftigt sich mit lebenden und verstorbenen Falkensteiner Künstlern und deren Arbeiten. Als Künstler macht man sich einfach Gedanken, was mit der Kunst geschieht." Auch mit der eigenen - später. „Es gibt Leute, die sich damit beschäftigen, es weitertragen, das Erbe erhalten", sagte er. Den Grundstein hat Falkart gelegt. Regina Blechschmidt spannte den Bogen noch etwas weiter: „Das ist ein Thema für Menschen generell, nicht nur für uns", sagte sie. „Man muss sich immer mal wieder die Frage stellen, warum wir hier sind." Bei vielen zur Personalausstellung aneinandergereihten Gemälden und Skizzen handelt es sich um aktuelle Arbeiten. Öl, Acryl, Grafit, Papier, Holz, Acryl-glas und Leinwand geben den Ton an. Ton kommt auch als Werkstoff zum Einsatz. Etwa bei Collagen mit und ohne Glasaugen als Blickfänge. Andernorts dominieren Grautöne, Schwarz und Weiß. Vor allem diejenigen aus Wolfgangs Blechschmidts „Feder" kommen, wenn überhaupt, mit wenigen Farbtupfern oder -spielen aus. Allerdings stehen solche Akzente dann in scharfem Kontrast zum Rest des Werkes. Die „Pfingstrose" ist so ein Beispiel. „Was täglich an Laut- und Wortflut auf uns einprasselt, minimalisiert er absichtlich", sagt Regina Blechschmidt über diese Werke ihres Mannes. „Das ist ein Besinnen auf das Wesentliche und ein Abstrahieren von Dingen. Er muss sich dabei sehr disziplinieren", weiß sie „Es ist auch immer eine Auseinandersetzung." Einer „Spiegelung" und „Licht & Schatten" begegnet der Betrachter genauso wie einer Rügen-Landschaft und Äpfeln. Oder auf Leinwand verewigter Zeit. Und drei abgebrannten Streichhölzern, in denen Wolfgang Blechschmidt sich dem Thema Tod stellt. „Wenn eine Idee geboren wird, ist das wie ein Magnet", beschrieb seine Frau die Entstehung künstlerischer Arbeiten. „Es zieht dich immer wieder hin." Zu ihren bevorzugten Themen gehören Raum und der menschliche Spielraum. „Man muss ausbrechen in der Kunst", erklärte sie. „Man muss Freiräume suchen und auch mal den Finger in die Wunde legen." (Sylvia Dienelt)


Atelier restauriert Kita-Gemälde








Friedenslichtkapelle am 22.12.2016 eröffnet